"Toller Ort" by Chris Campe

on 03.03.2014

Chris Campe habe ich vor Jaaaahren (4!) mal angemailt, weil ich ihre typografischen Illustrationen auf Flickr entdeckte und so toll fand, dass ich sie hier auf dem Blog als Inspiration posten wollte. Hab ich auch hier gemacht. Dann hat Chris ein Buch über Fassadenreklame "Hamburg Alphabet" gestaltet und auch das ist voll mein Fall. Zum lesen hier entlang. Jetzt (bzw. vor 3 Monaten, ich bin halt mega spät dran mit diesem Blogpost) ist ihr zweites Buch "Toller Ort" erschienen und auch das ist - ihr ahnt es schon - so richtig nach meinem Geschmack. Natürlich mußte ich sie fragen, wie das alles mal wieder so entstanden ist:
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My dear non-german readers: I recently got this beautiful book – a city guide for Hamburg – from Chris Campe and asked her about her process drawing the letters and maps. I apologize for not translating this interview into english, (as Chris is far better in english than me and/or call me Mrs Lazy) and I hope google translate does a good job. Hope Promise this won't turn into a habit. PS: the book is bilingual, so if you're going to visit Hamburg check it out!

Liebe Chris, erstmal Herzlichen Glückwunsch zu deinem zweiten Buch. Wie toll! Wie kamst du denn auf die Idee einen Reiseführer zu machen und sag mal wie lang hast du eigentlich für die Recherche von 203 (!!!) tollen Orten gebraucht?
Die Idee kam vom Junius Verlag. Der Verleger hat mich gefragt, ob ich das Buch schreiben und gestalten will, weil ich ja schon das Hamburg Alphabet bei Junius veröffentlicht hatte und er dadurch auch meine Illustrationen und Letterings kannte. Der Verlag hatte vor ein paar Jahren einen ähnlichen Reiseführer mit Tipps für Hamburg im Programm, aber der war veraltet und seit einiger Zeit auch vergriffen. Deshalb sollte die Idee des Buchs – ein paar hundert kurze, knackige und persönliche Tipps – neu aufgerollt und mit meinem Handlettering hübsch verpackt werden. 

Bei der Recherche haben wir das Vorgängerbuch dann bewusst ganz weit weg gelegt, um möglichst wenig Überschneidungen in der Auswahl der Orte und in den Texten zu haben. Also habe ich ganz von vorne angefangen: zuerst habe ich mich durch Yelp und Qype geklickt (und dabei war ich überrascht, wie viele der beliebtesten Einträge dort ich nach zehn Jahren in Hamburg schon kenne). Dann habe ich die 500 anderen Reiseführer über Hamburg in der Bücherhalle durchgesehen und dabei fast alle tollen Orte, die überall genannt werden, gleich wieder gestrichen.
Schließlich bin ich wieder tagelang mit dem Rad rumgefahren und habe Läden, Cafés und Orte, die sich toll anhörten angesehen, so ähnlich wie bei der Recherche für Hamburg Alphabet, für das ich über 1000 verschiedene Ladenschilder fotografiert habe – auch in den letzten Ecken von Hamburg. Zwischendurch dachte ich, dass ich vielleicht bald wegziehen muss, weil ich Hamburg nach zwei Buchrecherchen einfach zu gut kenne. Es gab aber auch einige Überraschungen, denn weil ich bis letzten Sommer zwei Jahre in den USA war, hatte ich doch so manche Neueröffnung gerade nicht mitbekommen. Da waren dann Tipps von Freundinnen und Freunden unschätzbar wertvoll und diese Tipps haben die Mischung für die 203 tollen Orte am Ende abgerundet.

In deinem ersten Buch "Hamburg Alphabet" geht es um Fassaden-Buchstaben. In "Toller Ort" gestaltest du auch das meiste typographisch. Was fasziniert dich an Schrift oder Lettern im allgemeinen?
Mich fasziniert, dass die Grundformen der Buchstaben immer gleich sind, aber dass sie je nach dem wie die Form gestaltet ist unendlich vielfältige Konnotationen tragen. Diese Konnotationen sind oft subtil, aber weil Buchstabenformen allen seit der Grundschule vertraut sind, haben die meisten Menschen ein Gespür dafür, welche Schrift zu welchem Inhalt und zu welchem Kontext passt und was eine bestimmte Buchstabenform vermittelt.  Meine gestalterische Arbeit, für die ich Schrift als illustratives Bildelement verwende und Buchstaben nicht schreibe, sondern zeichne, basiert auf diesen Assoziationen, die die verschiedenen Schrifttypen hervorrufen. Ich mag, dass Buchstaben oder Wörter immer gleichzeitig Form und Inhalt sind, dass sie zwischen Text und Bild changieren.

Mein Typo-Herz hüpft angesichts der schönen Kapitel-Trenner in die Höhe. Kannst du ein bißchen erzählen wie dein Arbeitsprozess dafür ist: zeichnest du erst per Hand oder gleich am Rechner und welche Tools nutzt du dafür?
Das Ganze sollte handgemacht aussehen, also habe ich alles von Hand gemacht… Weil für das Buch aber so viele Illustrationen eingeplant waren und die Textrecherche und das Schreiben viel länger gedauert haben als ich dachte, stand ich am Ende mit den Illustrationen unter sehr großem Zeitdruck. Der hat sich allerdings als ausgesprochen produktiv erwiesen, weil ich nicht umhin kam, ein paar gestalterische Dogmen über Bord zu werfen. 

Bisher habe ich zum Beispiel äußerst genaue Vorzeichnungen nach von Schriftmusterbüchern von Hand gezeichnet – aus Prinzip. Ursprünglich, weil ich weniger Zeit vorm Rechner verbringen wollte und weil Buchstaben zeichnen wirklich eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist. Später war ich  überzeugt, dass es einen wesentlichen Unterschied für das Ergebnis macht, ob ich die Formen und die Komposition mühsam dem Papier abringe, oder in Photoshop oder Illustrator mal eben schnell zusammenschiebe. Während der Buchproduktion konnte ich an solchen quasi-philosophischen Überzeugungen nicht festhalten, denn sonst wäre ich bis heute nicht fertig geworden.

Eine andere Entwicklung, die sich während der Arbeit an TollerOrt ergeben hat, habe ich Luján Martelli zu verdanken. Luján ist eine argentinische Künstlerin, die in Hamburg lebt und arbeitet. Sie unterrichtet unter anderem Schrift- und Ornamentmalerei im „Filete-Porteño-Stil“ und zufällig habe ich diesen Herbst an einem ihrer Workshops teilgenommen. Luján hat die während der drei Abende des Workshops immer wieder so etwas gesagt wie „Folge dem Material“. Ich wusste nie, was sie meinte, aber am Ende hat es irgendwie von selbst funktioniert – also nicht mehr alles genau in einer Vorzeichnung festlegen, sondern gucken, was mit welchem Pinsel auf welchem Untergrund geht. Das hatte auf die Illustrationen für TollerOrt einen sehr großen Einfluss.
Die letzte Illustration, für das Kapitel über meinen Heimatstadtteil St. Pauli, habe ich in der Nacht vor der Druckabgabe gezeichnet und im Gegensatz zu den anderen war sie in weniger als zwei Stunden fertig. Ich hatte eigentlich nur eine vage Idee dafür, aber irgendwie hat sich vor lauter Zeitdruck und Nachtschicht alles so zusammengeknüllt, dass ich die Seite für eine der gelungensten Illustrationen im ganzen Buch halte. (Die finde ich auch mega gelungen, Chris.)
Vielen Dank für dein ausführliches Interview und viel Erfolg mit dem Buch und all deinen weiteren Projekten! Alle Fotos: Chris Campe

my typical day

on 25.02.2014

Eigentlich habe ich einen recht strukturierten Ablauf nur im Moment läuft nichts nach Plan und alles etwas langsamer. Im Moment sitze ich mit Milchkaffee und Rosinenbrötchen in einem Cafe um die Zeit zwischen zwei Terminen außerhalb des Ateliers zu überbrücken und tippe diesen Text in meinen Computer. Um mich herum noch mehr Leute mit Laptop, Milchkaffee und Kopfhörern. Typisch Berlin. :)
Letztes Jahr war ich Teil einer Interview Serie in dem e-course Creative Courage. Das ist ein beliebter und inspirierender Online-Kurs für Kreative, der von der Künstlerin Stephanie Levy gehalten wird. (Neu ist; dieses Jahr gibt es auch einen mehrtätigen Workshop in Berlin - schaut mal unter Art + Adventure Workshop). Hier ist jedenfalls das, was ich auf die Frage nach meinem Arbeitsalltag geantwortet habe:
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I normally have a typical workday, but at the moment things are a bit different. Last week I was sick and this week I have to stick to some appointments outside the studio, so that's why I am now at a café having a latte and typing this text into my computer. Just like some other guests next to me.
Last year I got asked to answer a questions about my typical workday for the e-course Creative Courage. This inspiring e-course is run by artist Stephanie Levy who just launched her Art + Adventure Workshops in Berlin. Check it out (already half booked)!


Do you have a "typical" workday? We'd love to hear more about how you organize your daily schedule.
On a typical day I would leave the house around 10 am to bike to my Atelier. There I pick up the post, raise the blinds and clean up the table where I probably left cards or paper to dry.
I then look on my to-do list to to see what's urgent. I normaly write a to-do list every evening for the day after, so I don't have to think about the first task when I start the day. I like that.


I prefer to get the urgent stuff done before lunch so it's out of my head. I am also more focused in the morning. So I might do certain emails, estimates or orders.


After that I'll have a quick lunch. I mostly bring something with me, or get me some food in the neighbourhood.

After lunch I work on a letterpress print job or a larger wholesale order. The huge plus of having a studio space is I am not tempted to do the laundry or empty the disher during my work hours. :)

I also have to keep an eye on what's on stock and what needs to be reprinted. This is written on a seperate to-do list. I might have to reorder packaging material or paper and sort bills and do bookkeeping. This is stuff I do in the evening when my brain isn't that fresh anymore.

I often sort things back or set type for the print run the next day. I'll write a new list and leave my atelier around 7 pm, sometimes earlier to bring the online-shop orders to the post office.
What I recognize while typing this is, there's no time planned for preparing blogposts. Perhaps that's why it's been more quiet over here. Mh. I'll try to do better.


hand printed posters

on 03.02.2014

Am Wochenende wurden meine Poster in Japan gezeigt. Ich bin schon sehr gespannt, was nun passiert. Wenn genügend Bestellungen zusammen kommen drucke ich eine größere Auflage und die Poster wandern auch in den Online Shop.
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My posters were on a show in Japan this past weekend. I am curious what will happen. Do I print a larger run or do they just go on my wall. We'll see.

blue hour

on 23.01.2014

bluehour

Der Winter hat Berlin nun doch erwischt. Bin mal gespannt wie lange er diesmal bleibt. Jedenfalls ist es dunkel. Und richtig kalt. Die blaue Stunde ist eine Tageszeit, in der ich meistens eine Pause mache. Das wichtigste Tagewerk ist dann geschafft und ich überlege bei einer Tasse Tee, was ich in den verbleibenden zwei Stunden am schlauesten mache. So auch heute. Auf Facebook hatte ich neulich nach Empfehlungen für eine Teekanne gefragt. Viele tolle Links habt ihr geschickt und ich habe mich für eine Glaskanne von Samova entschieden. Nach der Ziehzeit kann man den Tee durch einen Dreh im Sieb einschließen so dass er nicht zu stark wird. Clever. Heute ist sie angekommen, nur ein gutes Foto habe ich eben nicht mehr geschafft. Also stellt euch vor: Marrokanischer Minztee-Duft, dunkle Schokolade und 10 Minuten Pause. Oder auch länger. :)
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Berlin catched the winter. Or the winter catched Berlin. It's cold and dark. I kinda like the blue hour, 'cause at this time of the day I mostly do a break. When the main work is done I sit down and think about the next 2 hours. Now, at this moment I have a cup of moroccan mint tea and some dark chocolate on my side. My new teapot arrived today, one that I got recommended by my followers on facebook some days ago. Thank you ladies. (Have to take a picture soon!)

elisabeth from ellijot about skillshare

on 16.01.2014

Nadja erzählte mir letztes Jahr von Skillshare und ich habe mir dort gleich eine megalange Wishlist angelegt. Dann sah ich auf instagram, dass Elisabeth vom Designstudio Ellijot eine Kurs dort macht und hab sie gleich mal ausgefragt. Hier unsere Mails; sie hat mir auch Bilder mitgeschickt. Voll gut!

Liebe Elli,
so gern wollte ich über die Feiertage einen Kurs von meiner Wishlist auf Skillshare machen, aber nach den stressigen Wochen vor Weihnachten habe ich dann doch nur auf dem Sofa abgehangen und die freie Zeit genossen.
Deine Instagram Posts haben mich aber sehr neugierig gemacht, welchen Kurs hast du belegt? War es dein erster und wie ist es abgelaufen?
Was ich ja ziemlich praktisch finde ist, dass man die meisten Kurse in seinem eigenen Tempo durchlaufen kann... man schaut sich einfach die Video Tutorials nach und nach an. Hast du dir dafür spezielle Tage oder Abende reserviert oder einfach spontan an dem Kurs weitergemacht wenn gerade Zeit war?
Da bin ich nämlich ein bißchen skeptisch... ich vermute ich wäre am Anfang Feuer und Flamme aber nicht diszipliniert genug um den Kurs dann zu Ende zu machen. Aber vielleicht sollte ich einfach mal starten und schauen wie es läuft. Nächstes Problem: Meine Wishlist ist zu lang. ;-) Hast du dir schon den nächsten Kurs ausgesucht?

Herzlichen Gruß
Sabrina


Liebe Sabrina,

an den Weihnachtsfeiertagen hab ich mir auch eine Pause gegönnt. Die hatten wir uns auf jeden Fall verdient!
Der erste Kurs den ich auf „Skillshare“ belegt habe, heißt „Vintage Illustration – Back to the future“ und wurde von der New Yorker Grafikdesignerin Linda Eliasen erstellt.
Die Kurse sind mit 20 Dollar allesamt ein echtes Weiterbildungs-Schnäppchen. Für hochwertige Designkurse muss man sonst um die 500 Euro, inklusive Anfahrt hinlegen – wobei diese natürlich auch ihre Vorzüge haben.

Der Kurs ist in 3 Schritte aufgeteilt, zu denen jeweils ein Video-Tutorial gehört. Step by Step wird erst einmal die Aufgabe erklärt, nämlich eine Postkarte mit selbstgewählte Stadt in der Zukunft zu illustrieren. Dann haben wir uns mit den 40ern, 50ern und 60er Jahren beschäftigt und ein Moodboard auf Pinterest erstellt. In unserem Notizbuch haben wir viele der typischen Stilelemente dieser Zeit – eine Mischung aus geometrischen Grundformen und organische Silhouetten, Brush Pen Schriften und Pastellfarben – festgehalten. Auf Grundlage dieses Repertoires und den für Nürnberg (meine Wahl) typischen Fachwerkhäuschen und der Burg, habe ich dann eine Layout-Skizze und letztlich die digitale Illustration entwickelt.



Es stimmt, der Kurs verlangt viel Selbstdisziplin ab, aber das Feedback der anderen Teilnehmer hat mich ziemlich gepusht. Ich hab mir zu Beginn einen Step pro Wochenende vorgenommen, hatte dann aber auch mal 3 Tage unter der Woche Zeit. So hat es dann nach ein paar Wochen letztendlich auch geklappt.

Ich glaube es ist auch gut, wenn man sich ein zusätzliches Ziel setzt. Der „Vintage Illustration“-Kurs kollaboriert z.B. mit der Onlinedruckerei „Moo“ und man kann die Karte mit einem Rabattcode günstig drucken lassen und dann an Freunde verschicken. So erstellt man nicht nur eine digitale Arbeit, sondern hat hinterher ein richtiges Produkt in der Hand. {Aah, das klingt gut!}
Als nächstes würde ich gerne den Letteringkurs von Jessica Hische belegen.{Oh ja, da hab ich auch ein Auge drauf geworfen!} Allerdings hat mich der erste Kurs zu vielen neuen Projekten im Retrostil inspiriert, die ich jetzt erstmal umsetzen will.
Ich bin gespannt, welchen Kurs du belegst.

Liebe Grüße und bis bald
Deine Elli

Elli ist Mitgründerin des Designstudios Ellijot. Als Illustratorin und Designerin entwickelt sie dort zusammen mit Johannes Prein außergewöhnliche Designlösungen für klassische und neue Medien; individuelle Designkonzepte, Illustrationen und Corporate Designs mit hohem Qualitätsanspruch.
Danke Elli!

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Hello my non german readers. I apologize for not translating this interview (I guess Google Translate may help). Elli shared her experience about her first illustration class she took on skillshare and showed her artwork. Thank you Elli!

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